Yolo hat mich überzeugt, dass in dem Turm irgendwo noch wertvolle Schätze liegen müssen und wir die mit ein bisschen Risiko bergen können. Vermutlich gibt es einen Keller mit einer Schatzkammer. Die meisten Leute denken ihre Schätze sind im Keller gut aufgehoben, keine Ahnung warum. Ginnu hat mit seinem Zwergeninstinkt oder sowas festgestellt, dass es tatsächlich so eine Art Keller geben könnte. Das sieht doch gut aus.
Yolos Plan sieht vor, dass wir durch die Türe im Erdgeschoß rein gehen. Er will uns mit seinem Priesterhokuspokus vor den Schatten verbergen, damit ist eines der größten Probleme aus dem Weg. Schon praktisch so ein Priester. Wenn wir uns wieder selbstständig machen, sollte ich Yolo fragen, ob er mit uns kommen will. Reorx ist ja auch der Gott der Schelme, Spieler und Spitzbuben. Da wäre er ja bei uns perfekt aufgehoben.
Ein Teil der Gruppe hat aber Angst und will nicht mehr in den Turm. Ts, ts, ts, so bringen die es nie zu was. Aber ich verstehe das ja, nicht jeder hat die Nerven, die man für so ein Unternehmen braucht. Satine geht übrigens mit, aber Degenhard nicht! Hö, hö, hö. Dass ich mitgehe war aber natürlich vorher schon klar! Wer soll den sonst unsere tapsigen Raufbolde davor bewahren, alle möglichen Fallen auszulösen. Wenn man sieht, wie elegant die sich im Kampf bewegen können, sollte man nicht glauben, was das sonst für Trampel sein können.
Also, wer ist dabei? Direkt hinter mir kommt Yolo, sehr beruhigend. Dann Thor, auch gut, mit seiner Reichweite mäht der auch aus der dritten Reihe alles nieder. Und im Zweifelsfall kann ich mich ja immer noch an ihm vorbei schlängeln. Guldan kommt als nächstes, er kann aus der Mitte mit dem Bogen nach vorne und nach hinten arbeiten. Dann Satine, Lumpi (wie kann man seinen Wolf „Lumpi“ nennen? Und wie kann man als Wolf mit einem Funken Selbstbewußtsein auf so einen Namen hören? Manche Dinge werde ich glaube ich nie verstehen) und Edeltraut. Den Abschluß macht Ginnu, damit ist sicher, dass uns von hinten nichts überraschen kann.
Guter Plan!
Stostine sorgt noch dafür, dass beide Gruppen miteinander in Kontakt bleiben, dann nichts wie rein! Vorsichtig die Türe aufmachen und mal ums Eck spähen … kein Schatten zu sehen. Gut! Ich vermute den Abgang in den Keller an derselben Stelle wie den Aufgang in den Turm, deshalb halte ich mich nach rechts. Nach ein paar Ecken kommen wir aber in eine Sackgasse. Mist. Na ja, deshalb heißt es ja auch Labyrinth. Immer noch keine Schatten. Sehr guter Plan!
Also wieder zurück. Ist ein bisschen ein Geschiebe und Gedränge, aber nach ein paar weiteren Sackgassen kommen wir an einen Torbogen, der in einen runden Raum führt. Ich glaube wir sind jetzt ziemlich im Zentrum des Turms. Mitten in dem Raum liegt eine verkohlte Leiche. Das schreit ja förmlich nach Falle, aber ich kann nichts finden. Keine verdächtig aussehenden Öffnungen an der Decke oder den Wänden. Nur ein weiterer Torbogen auf der anderen Seite des Raums. Hm, ich geh da trotzdem nicht rein. Erst mal sehen, wo der andere Gang hin führt, der vor dem Torbogen noch abzweigt.
Gute Entscheidung, denn es gibt eine Treppe nach unten. Allerdings ist sie nicht in dem Erker, wo die Treppe nach oben ist, sondern genau auf der gegenüberliegenden Seite des Turms. Wer denkt sich denn sowas aus? Ist doch total unpraktisch, wenn mann jedesmal durch das ganze Labyrinth rennen muss, wenn man ein kaltes Bier aus dem Keller holen will. Vielleicht lagern Magier ja ihr Bier nicht im Keller? Wir schleichen die Treppe runter, aber es scheinen immer noch keine Fallen vorhanden zu sein. Seltsam.
Mich beschleichen so langsam Zweifel, ob da wirklich etwas Wertvolles unten ist. Unten an der Treppe ist eine Türe aus Stein. Ah, das Schloß sieht jetzt schon eher so aus, als ob jemand da etwas Wertvolles dahinter verstecken will. Wollen wir doch mal sehen …
… Hrmpf. Das Mistding geht nicht auf.
Ich hab das Gefühl, ich bin so dicht dran, aber es scheint zu klemmen. Ich versuche es mit ein bisschen magischer Trickserei, aber ich brauche vermutlich mehr Übung, denn das hilft auch nichts. Aber Yolo ist ja direkt hinter mir und redet mir gut zu und meint Reorx blicke wohlwollend auf meine Bemühungen, klopft mir aufmunternd auf die Schulter und sagt ich solle es einfach nochmal probieren. Und dieses Mal klappt es! Die Türe rumpelt knirschend zu Seite. Hat Satine da gerade anerkennend genickt?
Edeltraut war die Warterei zu langweilig. Sie ist inzwischen noch dem Weg weiter gefolgt, aber es ist nur eine weitere Sackgasse. In den oberen Bereich des Turmes kommt man wohl nur, wenn man durch den Raum im Zentrum geht.
Hinter der Türe ist ein kleines, muffig riechendes Gewölbe. Scheint schon eine Weile nicht mehr besucht worden zu sein. Im Raum stehen zwei Truhen. Der Schatz! Yolo hatte recht! Jetzt nicht unvorsichtig werden. Die Wände sind grob behauener, blanker Fels, so als ob das Ganze eher nachträglich unter dem Turm angelegt wurde. Sieht ganz normal aus. Auch der Boden scheint solide zu sein. Keine Stolperfallen, keine Druckplatten. Das kommt mir nicht ganz geheuer vor.
Ich untersuche vorsichtig die Truhen. Die linke hat nicht einmal ein Schloss, was ist denn das? Der Deckel ist einfach nur heruntergeklappt. Die rechte Kiste sieht wenigstens so aus, als könnte etwas Wertvolles darin sein Das Schloss sieht aus, als ob da eine ganz üble Überraschung dahinter stecken würde. Wer würde auch zwei Kisten in eine Schatzkammer stellen, die zwar selbst ein gutes Schloss hat, aber dann die Kisten selber nicht besser sichern? Das kommt mir seltsam vor, also bitte ich Yolo sich das mal anzusehen. Und richtig, beide Truhen haben magische Auren! Sowas mieses! Die rechte Truhe hat eine Nekromantie-Aura, die rühre ich erst mal nicht an. Bei der anderen ist er sich nicht sicher. Na ja, dann müssen wir das halt anders herausfinden. Ich scheuche alle auf die Treppe zurück und wir ziehen die Türe bis auf einen kleinen Spalt zu. Dann trickse ich wieder ein bisschen und öffne den Deckel der linken Truhe mit meinen neu entdeckten Kräften von hier aus per Telekinese.
…
Junge, Junge, gut, dass wir draußen waren. Als der Deckel angehoben wurde, sind erst mal ein paar Blitze quer durch den Raum gerast. Ich wusste doch, dass da eine Falle war! Nachdem der Deckel jetzt offen ist, betrete ich den Raum wieder. In der Kiste sind Säckchen. Ich nehme ganz vorsichtig eines davon, immer noch per Telekinese heraus, aber nichts passiert. Ganz schön schwer das Teil … ich hole das Säckchen zu mir und schaue rein. Platinmünzen! Wow! Wir gehen rein und untersuchen den Rest. 8 Säckchen mit Platinmünzen, das ist doch schon ganz nett für so einen Ausflug. Sonst ist nichts zu finden an der Kiste. Kein doppelter Boden, keine Geheimfächer.
Hinter mir kichert Yolo und meint das wäre witzig, wenn man einen in die Kiste setzt, der von innen den Deckel öffnet, wenn jemand näher kommt. Die Idee ist genial, aber ich bin froh, dass der, dem die Kiste gehört nicht auf sowas gekommen ist. Sollten wir uns aber merken, wenn sich mal wieder unsere Verhandlungen mit irgendwelchen Leuten festgefahren haben. Die Kiste muss auf jeden Fall mit!
Die andere Kiste ist allerdings ein Problem. Ich schlage vor, dass wir versuchen, sie mit einem Seil von ausserhalb des Raumes zu bewegen und zu schauen was passiert. Das klappt auch, obwohl die Kiste ziemlich schwer ist und wir Thors Muskeln brauchen bis sie sich bewegt, aber sonst passiert gar nichts. Na gut, dann nehmen wir sie halt verschlossen mit. Weil wir sie so aber nicht tragen können, müssen wir uns erst von draußen ein paar Stangen organisieren und nochmal zurück kommen, bevor der Schutz vor den Schatten abläuft. Bis jetzt liegen wir aber gut in der Zeit. Auf dem Weg nach draußen schauen wir uns nochmal die verbrannte Leiche an. Wenn der soweit gekommen ist, müsste er ja bestimmt etwas brauchbares dabei gehabt haben! Mit Hilfe eines Seils, das wir über einen Fuß werfen, schaffen wir es den Körper zu uns zu ziehen. Dabei kullert so ein kleiner Stein aus seiner Hand und bleibt in Raum liegen, der sieht interessant aus. Mit einem meiner Dolche und dem Seil schaffe ich es mit ein paar Versuchen, den Stein auch noch in meine Reichweite zu bringen. Erst später fällt mir ein, dass ich das auch per Telekinese hätte versuchen können. Na ja, ich will mich ja auch nicht nur auf Magie verlassen, geht doch nichts über ein bisschen Fingerspitzengefühl.
Die verkohlte Leiche wird dann noch um die Metallteile einer Brustplatte und eines kleinen Metallschildes (die Lederteile waren leider verbrannt), sowie eines Dolchs, eines Rapiers und einiger Münzen erleichtert.
Draußen wartet schon der Rest der Gruppe mit den Stangen, also schnell wieder rein und die zweite Truhe geholt. Nachdem auch diese vor dem Turm steht heißt es Abschied nehmen.
Pandira schenkte mir zum Abschied ein kleines Fläschchen und erklärte mir, dass man damit eine Rauchwolke erzeugen kann. Finde ich total nett von ihr, aber leider habe ich nichts, was ich ihr als Gegenleistung geben könnte. Aber sie hat ja auch schon einen ganzen Haufen magischen Krimskrams aus dem Turm eingesackt.
[… Rückweg? Hier war es dann für meine Verhältnisse schon zu spät und ich hab kaum noch was …]
Bevor wir in den Hafen einlaufen, setzen wir mit dem Beiboot das Einhorn zusammen mit Edeltraut und dem Wolf ab, weil wir nicht unnötig noch mehr Aufsehen erregen wollen. Die drei kommen auf dem Landweg zu Maggy. Der Rest von uns läuft ganz normal in den Hafen ein, wir schaffen es, den Schlangenmenschen unbemerkt in den Wagen zu bringen und machen uns ebenfalls auf den Weg zu Maggy. Dort treffen wir wieder auf Edeltraut und das Einhorn und lassen uns auf den neuesten Stand bringen.
In der Stadt hat sich die Nachricht verbreitet, dass wir die Gelbschilde aufgemischt haben. Ein großer Teil der Bevölkerung ist sehr begeistert von unserer Tat. Die Stadtwache bewacht inzwischen das ehemalige Hauptquartier der Gelbschilde und das Haus im Ostteil von Freihafen, in dem der Zugang zum Tempel versteckt ist. Typisch Stadtwache, immer ein bisschen spät dran, aber dann ganz wichtig tun.
Egidius war am Vortag auch bei Maggy und hat berichtet, dass Milos als Kaufman unter dem Namen „Devlin“ getarnt in der Stadt in einem Gasthaus abgestiegen war. Das sollten wir uns näher ansehen.
Ausserdem wollen wir mal in das Stadtarchiv gehen und versuchen dort Pläne der Kanalisation zu finden.
[… wer ging da? Ich weiß, dass es da einige Erkenntnisse gab, aber das waren jetzt alle meine Aufzeichnungen …]