Tag 7 – Wie Yolo Ois Isi ihn erlebte

Wir sind hier irgendwo unterhalb von Freihafen. Zumindest möchte ich das glauben.

Obgleich es mir immer schwerer fällt. Alles ist so fremdartig hier.

Die Erfahrungen der letzten Stunden, Tage und Wochen machen sich zusehends bemerkbar.

REORX scheint mehr Vertrauen in mich zu setzten und verleiht mir mehr seiner göttlichen Macht. Zudem merke ich auch, wie mein Körper stärker, sehniger und widerstandsfähiger geworden ist.

Offensichtlich ist dies auch bei vielen meiner Begleiter eingetreten.

Das bisher größte Projekt meines bisherigen Zwergenlebens konnte ich zum Abschluss bringen. Vorangegangen waren viele Abende intensiver Gespräche und Training mit Schwanhild und Meditationen mit REORX. Ehrlich gesagt bin ich schon ein wenig stolz auf mich, SEIN Vertrauen ehrt mich. Der alte Zausel macht hier wegen einer speziellen Axt zu seinen Ehren eine große Ausnahme. Diesen Ehr-Folg hätte ich unter meinen Zieheltern nie erreichen können.

Schwanhild meint, dass ER sehr liberal sei. Habe ihre Äußerung mit einem unbestimmten brummen quittiert. Hoffentlich hat sie sich dadurch nicht ihre Zukunft versaut. Ob sie IHN unbewusst beleidigt hat? Ich muss unbedingt in Erfahrung bringen was sie damit meinte. Konnte ihr gegenüber ja wohl schlecht zugeben, dass ich die Bedeutung dieses Wortes nicht kenne.

Wir erkunden weiter die Gänge und Räume dieses seltsamen Gebäudes. Neesha und Geryan jammern immer wieder, dass es für sie hier unten zu dunkel sei. Kommen mir vor wie ängstliche kleine Kinder. Sogar Elfenbabies haben in der Dunkelheit nie geheult. Für Neesha bringe ich einen kleinen Stein zum Leuchten, jetzt sollte für zwei Stunden Ruhe sein. Wäre natürlich Pech, wenn sie zu diesem Zeitpunkt alleine unterwegs wäre. Naja, ein bischen Schwund ist immer.

Ich halte meine Armbrust schussbereit. Thor weigert sich, vor mir zu laufen. Woran das nur liegen mag? Gut, meine ersten Versuche bei den Gummiwürmern und bei den Skeletten waren auch eher ernüchternd. Bei meiner Erklärung, dass der Abprallwinkel an den Wänden hier unten irgendwie nicht ganz korrekt ist, hat er mich nur mit großen Kuhaugen angeglotzt.

Er selbst hat einen Bogen, ich habe ihn aber noch nie damit schießen sehen. Ob er auch von Elfen großgezogen wurde, so wie ich?

Ich erzähle ihm, dass ich bei den Elfen Bogen bauen und Pfeile schäften musste. Kann seinen Gesichtsausdruck nicht ganz deuten. War das jetzt Mitleid? Die Tatsache, dass ich gezwungen wurde, alle meine verschossen Pfeile und zerbrochenen Bögen selbst nachzubauen , hatte zur Folge, dass ich das nun doch recht ordentlich kann. Als Antwort bekomme ich ein ein lautes MUUUHAHAHAHA.

Wie witzig. Ha.Ha.Ha,

Geryan findet eine Geheimtür, dahinter befindet sich eine Art großer Kessel mit Rohren. Hab so was noch nie gesehen und stehe neben Thor als er den Deckel abschraubt. Irgendetwas wässriges springt oder fließt aus dem Kessel und baut sich als große Gestalt vor uns auf. Ich bin wie erstarrt. Ginnungagap hätte bestimmt gesagt, dass das ja logisch ist, als Zwerg vor einem Berg reinen Wassers. Ich würde ja widersprechen, wenn ich könnte, bin aber noch total perplex.

Er und Thor reagieren zwar beide recht schnell, wissen aber wohl nicht so ganz genau wohin sie schlagen müssen und richten keinen Schaden an, ebenso wenig wie Neesha, die ihre Schwerter zwar nass machen kann aber weiter nichts bewirkt. Da ich im Hintergrund das surren und plingen von Bogensehnen und Armbrüsten höre versuche ich mich klein zu machen. Dabei muss ich meine Armbrust ausgelöst haben und – ich weiß nicht so genau wie – hat mein Bolzen seinen Weg in dieses seltsame Wasserelementar gefunden und schwimmt dort. Ob diesmal der Abprallwinkel gestimmt hat? Wie auch immer, ich feiere meinen Treffer lautstark.

Das Elementar wehrte sich mit einem Säureschwall der Ginnungagap, Neesha und mich trifft, die arme Neesha muss von dem Zeuch deutlich mehr abbekommen haben als Ginnu und ich. Nach weiteren Treffern von Ginnu und Thor wehrt sich das Wasserelementar mit einem grünen Dunst der den ganzen Gang durchzieht. Bis auf Ginnu und ich lassen sich unsere Begleiter ihr Frühstück nochmal durch den Kopf gehen. Ein Schlag mit meiner formidablen Zwergenaxt beendet das unwürdige Schauspiel, das frisch aufgewärmte Essen wird weggespült und Ginnu versucht verzweifelt sich vor den Fluten klaren Wassers zu retten, das nun unsere Füße umspült.

Im Wasser entdecke ich noch 5 blaue Edelsteine, die ich einstecke. Hat wohl keiner gemerkt.

Einen Raum weiter:

Nur gut, dass ich nicht mehr bei meinem Elfenstamm bin. Da hätte ich mir wieder Hohn und Spott auf Ewigkeit eingefangen, wenn einer gehört hätte, wie ich mit diesem Graubart, einem alten und verletzten Wolfsmenschen gebellt und geheult habe. REORX versetzt mich in die Lage mich mit dem Wolfsmenschen zu unterhalten.

Was er zu sagen hatte ist zwar interessant, bringt uns aber nicht groß weiter.

Er wurde von seinem Stamm verstoßen, weil er bei der Bewachung eines weißen Drachenkindes versagt hatte. Schlangenmenschen konnten ihn und einige Sklaven überraschen und den Drachen klauen. Wie erbärmlich.

Ich darf nicht vergessen, den anderen zu sagen, dass die Schlangenmenschen sehr kälteempfindlich sein sollen. Die Anführerin des Wolfsmenschenstammes ist eine Schamanin mit grünem Fell, beides sehr ungewöhnlich. Der Schlüssel für das Tor mit dem magischen Schlangenkopf befindet sich an ihrem Thron. Die Gruppe, die wir verfolgen, hat einen Tag Vorsprung.

Ginnu hat in der Zwischenzeit den Raum untersucht und dabei am steinernen Altar ein Geheimfach entdeckt, eine darin enthaltene Schatulle enthält 5 Schlangenfiguren aus Jade. In der Feuerstelle findet er sehr alte und verbrannte Knochen, der Form nach auch von Menschen.

Edeltraut weist auf 5 kleine Vertiefungen am Rand der Feuerstelle hin, sie erwähnt auch, dass diese Vertiefungen ganz leicht Magie ausstrahlen.

Extrem aufgeregt berichtet sie, dass sie vermutet, dass hier mit den Statuen Beschwörungen, Rituale und auch Menschenopfer dargebracht wurden. Auf keinen Fall dürften wir die Statuen in die Vertiefungen stellen. HABBAKUK hat sie extra hierhergeschickt um den Ursprung dieser Rituale festzustellen.

Nicht schlecht. Hätte ich der kleinen Laus gar nicht zugetraut.

Die nächsten Räume öffne ich. Dieses ewige Suchen nach Fallen ist ermüdend und kostet nur unnötig Zeit. Leider nichts gefunden. Auch keine Fallen.

Dieser Raum sieht doch etwas ungewöhnlich aus. Rechts an der Wand ein Brunnen mit Drachenkopf, links an der Wand eine Tür mit dem Relief einer Schlange. Sie strahlt Kälte aus, seltsam. Ich höre Manndie sagen, dass beides magisch ist. Wie überraschend.

Am Brunnen findet sich eine Inschrift auf drakonisch, sinngemäß steht dort „let there be fire“. Die magische Inschrift über der Türe muss Manndie erst mal abmalen. Ich hoffe das beste, rechne aber mit was anderem. Ran übersetzt die abgemalten Zeichen so ungefähr mit „channel good, open the way“. Was will er uns damit sagen? Dass Manndie Blödsinn gezeichnet hat?

Mir jedenfalls ist alles klar, die Lösung des Rätsels ist doch recht simpel. Wir müssen den Drachenkopf so ausrichten, dass der Mund Feuer auf die kalte Tür spucken kann und schon ist alles good. Soweit der Plan!

Leider ist es auch mit diesem Plan so wie mit allen Plänen: beim ersten Aufeinandertreffen mit der Realität erweist er sich als undurchführbar: Es gibt keine Möglichkeit den Drachenmund auch nur um Haaresbreite zu verschieben.

War mir ja klar, dass es nicht so einfach sein kann.

Bei der Untersuchung des Brunnens werden rote Pulverspuren entdeckt. Ran warnt alle, die im Raum sind, dass er gleich die magischen Worte am Brunnen aussprechen wird. Statt der erwarteten Feuersbrunst läuft nur etwas magische Flüssigkeit aus dem Maul des Drachen. Edeltraut füllt die Flüssigkeit in ein leeres Heiltrankfläschchen. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um einen Trank des Feuerodems handelt. Leider ist mit dem Auslaufen der Flüssigkeit auch die Magie am Brunnen verschwunden. Verflixt, ich habe nicht gesehen, wer die Flasche eingesteckt hat.

Soso, dann hat der magische Brunnen doch nichts mit der magischen Tür zu tun. Ich sollte versuchen die kälteste Stelle der Tür mit meinem heiligen Symbol zu lokalisieren. Vielleicht bringt das neue Erkenntnisse. Ich bin noch etwas einen Fuß von der Tür entfernt als diese hell aufleuchtet und ein wenig zu wabern beginnt. Sie reagiert ganz deutlich auf REORX. Aber Moment, was stand über der Tür? „Channel good“? Ich glaube ja, dass ich nicht nur gut bin, sondern einer der Besten. Aber das will hier wohl auch keiner wissen.

Wird etwa das Symbol eines anderen Gottes benötigt? Edeltraut kommt mit dem Symbol von HABBAKUK, auch bei ihr leuchtet die Türe sehr hell, aber weiter tut sich nichts. Sie lässt mir wieder den Vortritt und meint, sie könne hier nichts ausrichten.

Als ich mich mit REORX Symbol der Tür sehr nahe bin verändert sich das Licht und ich habe das Gefühl, dass ich in einer Landschaft stehe und eine wahrlich riesige skelettierte Gestalt eines Schlangenmenschen vor mir steht. Diese mächtige untote Kreatur zu vertreiben gelingt leider nicht und just als das Skelett mich angreifen will springe ich zurück und bringe mich aus dem Gefahrenbereich der Tür.

Was ich begonnen habe könnte vielleicht Schwanhild erfolgreich beenden. Ich gebe ihr entsprechende Anweisungen und tatsächlich schafft sie das Unmögliche, die Gestalt wird gebannt und die Türe verschwindet.

Eine wahre Freude, die ungläubigen Gesichter und offenen Münder der Umstehenden zu sehen. Da fragt sich doch mancher, wie Schwanhild auf die Macht von REORX zurückgreifen kann.

Im nun offenen Raum vor mir sehe ich eine Art Altar auf der eine Kerze brennt, daneben liegt ein Fläschen und ein weiterer durchscheinender Gegenstand. Rechts und links stehen an den Wänden je 6 Sarkophage.

Prima.

Der weitere Plan ist schnell erstellt.

Wir stehen zu fünft um die Türe, Geryan betritt den Raum, und sobald er die unzweifelhaft vorhandene Falle ausgelöst hat flüchtet er aus dem Raum zu uns in Sicherheit und die zwölf Untoten werden einer nach dem anderen erledigt. Die einfachsten Pläne sind immer noch die besten. HA!

Kurz bevor Geryan den Raum betritt, gebe ich Schwanhild noch Instruktionen. Sie spricht mit Geryan, worauf ich bei ihm ein sehr breites Grinsen erkennen kann. Gebannt verfolge ich jeden Schritt den Geryan in den Raum hinein macht. Plötzlich schreit Ginnu laut auf, und auch Neesha meldet sich schmerzerfüllt. Schnell wird mir klar was passiert ist: Wie planmäßig vorgesehen hat Geryan eine Falle ausgelöst, war ja klar, dass so was passiert wenn man den Raum betritt. Nicht ganz so klar war es, dass durch die vorhandene Druckplatte eine riesige Axt VOR dem Raum herunterschwingt und alle trifft, die direkt vor der Tür warten. Wie kann man nur so unvorsichtig sein?

Was für ein krankes Hirn baut eine solch bescheuerte Falle?

Geryan kommt unbehelligt bis zum Altar und räumt dort ein Geheimfach aus. Als er die magischen Gegenstände in einen Sack steckt öffnen sich wie erwartet die zwölf Sarkophage und heraus treten je ein zombiehafter Schlangenmensch. Diese ignorieren den Altarräuber jedoch komplett und wenden sich uns zu, die wir an der Tür warten. Geryan kann unbehelligt zwischen den Zombies und uns durchschlüpfen und sich in Sicherheit bringen. Mit der Macht von REORX vertreiben Schwanhild und ich insgesamt sechs Zombies. Fünf weitere werden von Theophyl beherrscht, die daraufhin die anderen Zombies angreifen.

Nach und nach, immer einer nach dem anderen, kommen die ,ähm, überlebenden Zombies zur Tür und werden dort recht schnell umgehauen.

Alles perfekt umgesetzt. Das lief ja wie am Schnürchen. Ach, was war ich wieder gut.

Beim Kampf konnte man beobachten, dass Schwanhild mit Zwergenaxt und Schild kämpft.

Sie ist richtig begeistert wie gut sie mit der Axt umgehen kann und wieviel Schaden diese anrichtet. Ihre Mitstreiter aber wundern sich gewaltig, dass sie damit so perfekt zwergisch kämpfen kann.

Geryans Mitbringsel:

Die Kerze scheint dauerhaft zu brennen. Sehr schön für ihn und Neesha.

Auf dem Fläschchen ist ein Fledermaussymbol.

Der seltsame durchscheinende und magische Gegenstand ist eine Art Flöte aus stahlhartem Glas (Nephelium), eingraviert ist „Azan-Gund“ was soviel wie „Nachtrufer“ bedeutet. Eindeutig ein (dunkel-)zwergisches Produkt aus der Blütezeit des Theiwar Clans („die Danklosen“).

Ich werde REORX um weitere Erkenntnisse bitten müssen.

Im Kästchen aus dem Geheimfach befinden sich sechs grüne Edelsteine, und gerade als ich meine fünf blauen hinzulegen will fallen uns Schlangensymbole auf den grünen Steinen auf. Wir müssen diese genauer untersuchen! Sieht so aus, als ob ich da einen für mich beanspruchen muss! Die blauen gebe ich Schwanhild.