Was auch immer in diese Warge gefahren ist, so ganz verstehen kann ich das nicht. Die sind zwar echt riesig und auch verdammt schnell, aber clever sind sie ganz bestimmt nicht. Ein Dutzend gut gerüstete Abenteurer, bewaffnet mit Stahl und Magie, das konnte nicht gut ausgehen. Ob die auf uns angesetzt waren, oder ob die mitgeführten Esel einen für Warge unwiderstehlichen Geruch aussondern, wir können es nicht herausfinden. Aber beeindruckend war das schon, wie wir agiert und die Angreifer koordiniert weggehauen haben. So langsam wird das was mit uns.
Am Abend des nächsten Tages bin ich der Meinung, dass Thor würdig ist, die Weihe zum Priester von Kiri-Jolith zu empfangen. Stolz empfängt er aus meinen Händen das Heilige Symbol seines gewählten Gottes.
Mit besorgter Stimme erwähnt er dabei, dass ich einen etwas seltsamen Geruch an mir habe, und er fragt ob dieser die Ursache für die vielen Fliegen und Käfer sei, die mich umschwärmen. Tatsächlich! Bisher dachte ich, dass wir alle unter diesem Ungeziefer zu leiden haben, aber nur ich werde intensiv von ihnen geplagt. Eine ausgiebige Waschung (Ginnungagap beobachtet mich dabei mit einem seltsam angewiderten Blick) bringt nur kurz Linderung, schon werde ich wieder umschwärmt. Warum ausgerechnet ich? Das nervt!
Noch einen Tag später erreichen wir endlich den erloschenen Vulkan, und als wir näher kommen, können wir auch den Einschlagskrater eines Meteoriten erkennen. Wir kämpfen uns weiter durch das trockene, steinige und vegetationsarme Gelände vorwärts. Ein gutes Stück unterhalb des Einschlagkraters finden wir einige Skelette. Bei den meisten können wir keine Verletzungen, abgesehen von einzelnen Abschabungen an einigen Knochen, erkennen. Nur bei einem sehen wir wie die Rippen auf einem handtellergroßen Bereich nach innen geborsten sind. Hat hier einer der Lindwürmer mit seinem Giftstachel zugeschlagen?
Gleichzeitig nimmt Edeltraut seltsame Geräusche wahr, es klingt nach Knarren und Quietschen. Nun erkennen wir auch zwei Lindwurmgestalten, die am Rand des Einschlagkraters sitzen, sich aber bis auf Schwanz und Flügel nicht bewegen. Es scheint als ob die Geräusche von dort oben kommen. Wir beschließen, daß wir nicht den direkten Weg nach oben nehmen, sondern uns in einem weiten Bogen auf gleicher Höhe annähern. Gleichzeitig sondern sich Neesha und Geryan ab, die beiden wollen nach oben schleichen und die Lage erkunden.
Nachdem wir uns einige hundert Meter von den Lindwürmer wieder treffen berichten die beiden, dass die Lindwürmer nur Holzgestelle seien. Diese Holzgestelle sind umgearbeitete Ballistas. Der Krater wird bevölkert von etwa 15 bartlosen Zwergenkämpfern und einigen Gnomen, die die Ballistas bedienen. Bewaffnet sind die Zwerge mit Wurfspeeren und haben scheinbar auch Flaschen mit Gift am Gürtel hängen, die Gnome sind wohl deren Gefangene. Nun ist uns auch die Ursache für die seltsamen Verletzungen und Todesursachen der gefundenen Leichen klar. Der Grüne Siderit liegt zentral im Krater, er wird von den Zwergen wie ein Heiligtum geschmückt und verehrt.
Wir schlagen unser Lager außerhalb der Schußweite der Ballistas auf. Kaum sind wir einigermaßen fertig, donnert ein riesiger Stein vom Himmel und schlägt nur wenige Meter von unserem Camp in den Boden. Sollten die Zwerge auch über ein Katapult verfügen?
Edeltraut hüpft auf dem Steinbrocken herum. „Wenn die ihr Handwerk nur einigermaßen verstehen würden, hätten die auch unser Lagerfeuer treffen können. Ich muss mir das notieren. Lagerfeuer löschen mit Katapultgeschoß. Vielleicht wird da noch eine brauchbare Erfindung daraus. Hey! Seht mal. Auf dem Stein ist was eingraviert. Auf gnomisch.“
„Hilfe, rettet uns! Die sind total irre!“
„Was das bedeuten mag?“
Nur mühsam gelingt es uns Edeltraut davon zu überzeugen, dass wir unser Lager weiter weg aufbauen sollten.
Und jetzt? Lindwürmer erschlagen um uns das Sternenmetall zu sichern, das wäre kein ethisches Problem. Aber ein Zwergenvolk angreifen, nur weil sie etwas besitzen, was wir auch haben wollen? Geht gar nicht, so die Meinung der meisten. Nur Manndie dreht vollkommen durch. Sie verliert jegliche Skrupel als sie hört, dass hier Gnome gefangen gehalten werden und vertritt die Meinung, dass wir die Zwerge ausradieren sollten. Manndie, Manndie, Manndie! Ghul-Carach scheint immer noch Einfluß über dich zu haben. Seit sie diese roten Augen hat wird sie immer blutrünstiger.
Wir werfen die bislang gewonnen Erkenntnisse zusammen, und kommen zu der Meinung, dass es sich bei den Zwergen um einen Stamm handeln könnte, der während der Großen Umwälzung für lange Zeit unter der Erde eingeschlossen wurde. Anhand dieser Vermutung scheint es uns angebracht, erst mal das Gespräch mit den Zwergen zu suchen. Vielleicht können wir etwas gegen das begehrte Metall eintauschen.
Ich bin anderer Ansicht. Wenn die Zwerge den Stein verehren, dann werden sie niemals auch nur einen Krümel wegtauschen wollen.
So gehen Manndie, Thor, Geryan und ich unter Parlamentärsflagge zum Palaver und treffen Reeg-Dhal, den Anführer mit zwei weiteren Zwergen. Dabei ergreife ich das Wort:
„Mein Name ist Yolo Ois Isi, Priester von Reorx. Ich wurde geschickt, um euch um Verzeihung zu bitten für das Unrecht das euch angetan wurde und um die Ungerechtigkeit der letzten Jahrhunderte wieder gutzumachen. Reorx hat euch während der Großen Umwälzung aus den Augen verloren. Ich bitte euch, ihm nicht länger zu zürnen, bekennt euch wieder zum Erschaffer von Krynn, Bändiger des Chaos, Weltenschmied und Vater aller Zwerge.“
Von Manndie höre ich ein „und aller Gnome“ und Edeltraut ruft „und aller Kender“. Müssen die denn meine Bemühungen mit aller Kraft torpedieren? Jetzt fehlt nur noch, dass sich Theophyl einmischt und „Firlefanz“ brüllt. Gut, dass Reeg-Dahl die beiden nicht verstanden hat. Seine Miene hellt sich zwar auf, aber so recht an die Rückkehr von Reorx zu seinem Volk mag er noch nicht glauben und verlangt nach Beweisen.
Nach einer kleinen Zaubervorführung (dabei haben die mich umschwärmenden Fliegen ein wenig aus dem Konzept gebracht) und einem Geryan, dem das Gift der Zwerge dank Reorx (oder vielleicht auch einem magischen Ring AdG*) nichts ausmacht, lädt mich Reeg-Dahl ein. Er möchte, dass ich zu seinem Stamm, den Zakh-Arin, spreche und diesen von Reorx Rückkehr überzeuge.
Ein bisschen magischen Hokuspokus und eine fesselnde Rede später konnte Yolo die meisten der Zwerge, vor allem auch den Anführer überzeugen, dass die Gruppe um Yolo nur hier ist, um blablabla und nicht grüner Stein blablabla*
Die nun logische Forderung nach einem spirituellen Führer konnte ich Reorx-sei-Dank elegant lösen. Kurz hatte ich Bedenken, dass die Zwerge mich nicht mehr gehen lassen wollen.
Die Lösung ist, dass ich mir mit Roh-Ster den redegewandtesten Zwerg mit dem besten Gedächtnis (Theophyl: „der größte Schwätzer„) ausgesucht habe und zusammen mit Edeltraut und Satine in einem 3-Tages-Crash-Kurs den beneidenswerten Zwerg zum Reorx-Priester zu weihen.
Inflation!
Aber genau darin siehe ich auch meine Aufgabe, verlorene Zwerge für Reorx zu gewinnen.
Ich muss mir einen Altar von Reorx suchen und darauf beten. Manchmal geschehen bei solchen Aktionen ja Wunderliche Dinge.
Auch Roh-Ster hat die Notwendigkeit verstanden, dass der Götzenstein unbedingt entfernt werden muss, damit die anderen Zwerge ihm auch in Zukunft folgen und nicht etwa abspenstig werden. Wir können den Zwergen einreden, dass die Gnome das grüne Metall für ihre Apparate brauchen und wir es mitnehmen würden um es zu verkaufen. Gegenleistung von unserer Seite: 10 Warg-Häute (die müssen noch geholt werden), ein paar von unseren Ersatzwaffen, und die Brustpanzer von Ginnu und Yolo für den Anführer und den Priester.
Hätte dümmer laufen können.
Jetzt sind einige von uns beschäftigt, den grünen Stein zu zerlegen, ein paar holen die Häute und ein paar unterrichten den Adepten.
Abends gibt es noch eine Giftprobe unter Zwerge, bei dem der Schnaps von Ginnu sich als nicht ganz so ausgewogen herausstellt wie der Pilzgeist, den die hiesigen Zwerge herstellen können.
Irgendwann kommt Roh-Ster noch an mit zwei magischen Gegenständen: ein Rapier und ein Lederarmband, jeweils mit 2 magische Auren.
Neesha war bereit, für das Rapier 14 einhändige Äxte und eine doppelköpfige Streitaxt zu organisieren/bezahlen.
Ginnu verspricht für das Lederarmband einen Meisterschmiedehammer und einen Ausbildungsplatz für Rakh-Ar in der Schmiede von Maggie, Lehrer wird wohl Schwanhild sein.
Unvorstellbar, die Zwerge können kein Metall bearbeiten! Die wissen nicht mal was Eisenerz ist und wie man das verhüttet.
Hätte dümmer laufen können.
Etwas schockiert war Ginnu, als der Anführer mit einem silberfarbigen Erzbrocken ankam, der deutlich leichter ist als das Eisenerz. Sie haben davon auch nur eine Ader gefunden und wollen wissen, ob man damit was machen kann, oder ob das noch braucht bis es fertiges Eisenerz ist.
Wir werden wohl etwas später wieder vorbeischauen, wenn die Zwerge aus diesem Metall passende Mithril-Rüstungen geschmiedet haben.
Hätte dümmer laufen können.
Ah, die gefangenen Gnome. Reorx lehnt Sklavenhaltung ab, das haben die Zwerge akzeptiert, und dass diese ihre Schuld (Diebstahlsversuch des Sternenmetalls) inzwischen abgearbeitet haben mit dem Bau von zwei Ballistas und einem Katapult wurde dann auch so gesehen. Trotzdem werden die Gnome noch ein Weilchen bleiben, die Geräte müssen gewartet und neu ausgerichtet werden, außerdem wollen die beiden eine dampfbetriebene Schmiede bauen.
Hätte dümmer laufen können.
In Zukunft werden die Zwerge mit der Stadt handeln. Zwergengeist, verschiedene Pflanzen- und Pilzextrakte, und irgendwann Metallwaren gegen andere lebensnotwendige Güter wie zum Beispiel Bier. Dem bald neuen Stadtoberhaupt von Freihafen schadet es sicher nicht, wenn bekannt wird, dass hier eine freundlich gesinnte Zwergenkolonie Handel treiben will.
Hätte dümmer laufen können.
Desweiteren wurde festgestellt, dass die Zwerge nicht mit den Schlangenmenschen klarkommen und den Vulkan gegen diese bereits erfolgreich verteidigt haben. Auch die Bedrohung in Freihafen durch Lonthas scheint Reeg-Dahl und Roh-Ster aufzuwühlen. Unter Umständen könnten wir hier noch kampferprobte Verstärkung erhalten.
Hätte dümmer laufen können.
Während Edeltraut, Satine und Thor den Roh-Ster unter ihre Fittiche nehmen begleite ich noch Geryan aufs freie Feld, wo er erfolgreich das magische Symbol der Schmerzen auf dem unsichtbaren Buch deaktiviert. Respekt, der Kerl hat‘s wirklich drauf.
Hätte dümmer laufen können.
*Anmerkung des Ghostwriters:
Ich habe Herrn Ois Isi mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass seine Sicht der Dinge nicht immer von allen geteilt wird. So wurde mir die Sache mit dem gravierten Katapultstein abweichend von seiner Darstellung berichtet und auch Edeltraut war nicht beim Palaver dabei. Der Herr Ghostwriter habe die Geschehnisse aber so zu berichten, wie er sie wahrgenommen habe. Außerdem sei es höchst unwahrscheinlich, dass das mit dem Pfeil stimmen könne. Schließlich war er dabei und hat alles so erlebt und müsse es deshalb auch besser wissen als der Herr Ghostwriter.
Nun gut, ich soll die Erlebnisse von „Yolo Ois Isi und seinen Freunden“ (Schützlinge könnte ich ihm gerade noch ausreden) so schildern wie er sie wahrgenommen hat. So sei es.