Liebes Tagebuch,
ich dachte immer, zu Hause war es langweilig, und wollte die Welt sehen. Endlich ist es soweit, das ist alles so aufregend!
Zum Glück habe ich Neesha und Geryan kennengelernt, sonst hätte ich nie gewußt, wie ich alleine zurechtkommen soll. Das habe ich am ersten Abend in Pentar wieder gemerkt – ich habe den ganzen Abend lang gesungen und gespielt, und die Münzen haben gerade für die Übernachtung gereicht. Zum Glück hat der Wirt mir das Essen und den Wein kostenlos gegeben, immerhin sind seine Gäste wegen mir viel länger geblieben. Aber ich muss schon sagen, daheim in Jotan, als Neesha und Geryan die Spenden eingesammelt haben, waren die Leute viel freigiebiger.
Eigentlich fand ich es ja schade, meine Heimat zu verlassen. Aber da hat wohl eine andere Gnomin so getan, als wäre sie Bardin, und mit Hilfe von ein paar Dieben ihr Publikum ausgeraubt. Ich finde so was ja unmöglich und wollte mich gleich bei der Stadtwache beschweren. Aber Geryan hat gemeint, die bei der Wache wären so doof, die würden mich vielleicht mit der verwechseln und wären dann zu doof das zu kapieren. Naja, Geryan kennt sich da aus, der hatte wohl schon öfters Diskussionen mit Stadtwachen, die irgendein Missverständnis nicht aufklären konnten. Angeblich haben sie ihn sogar schon mal festgesetzt. Also habe ich ihm geglaubt, dass wir uns besser woanders in der Welt umschauen sollten. Was für eine gute Idee das war!
In Pentar haben wir noch mehr Leute kennengelernt, und jetzt sind wir sogar die offiziellen Kaperfahrer der Stadtwache! Oder so ähnlich. Naja, wenn die Stadtwachensoldaten dort so doof sind wie die zu Hause in Jotan, dann ist es schon besser, dass sie uns losschicken, als die Wachen. Und die haben ja eh keine Ahnung vom Kampf. Der Aaron Langbogen zum Beispiel, der meinte, man kann einen Gegner einfach überrennen, und hat uns erklärt wie das gehen soll. Dann habe ich es ausprobiert, und das was der sagt, das stimmt hinten und vorne nicht. Jedenfalls ist Mach Thor Nuff nicht umgekippt, er hat nicht mal geschwankt, und ich hatte das Gefühl, über mir wäre ein Haus eingestürzt. Oder wenigstens eine Hütte, weil ich hab’s ja überlebt. Ganz schön übel, wenn die Wachen in Pentar von so einem Scharlatan beraten werden.
Am besten aus der Gruppe gefallen mir ja die zwei Zwerge, die sind total süß. Machen einen auf männlich, Bier trinken und so, und kommen sich super wichtig vor, dabei sind sie einfach ein bisschen gealterte Jungs. Schade, dass die nur auf Frauen mit Bärten stehen, die richtige Größe für mich hätten sie ja. Wenigstens habe ich keine Konkurrenz bei denen, und wenn die erstmal eine Weile lang keine interessanten Frauen sehen ….
Naja, da wäre noch die Kenderin. Edeltraut heißt sie. Oh je, auf die muss man dauernd aufpassen, die packt alles ein was nicht festgeschraubt ist. Falls ich irgendwann mal vorhabe, mein Publikum auszurauben, dann kann ich sie zu meiner Komplizin machen. Den Vorschlag muss ich Neesha und Geryan direkt mal machen, wenn wir in eine Stadt kommen, aus der wir eh bald weiterziehen.
Und dann ist da noch Yersinia. Das ist auch so eine komische Type. Dauernd meint sie, es kribbelt ihr in den Fingern. Ob sie wohl eine schlechte Durchblutung hat? Als Barde muss man da immer aufpassen, dass einem die Finger beim Lyraspiel nicht zu kribbeln anfangen. Vielleicht sollte Yersinia einmal zum Heiler gehen. Der kann sich dann auch gleich um ihren Kopf kümmern, der denkt sich immer komische Sachen aus. Zum Beispiel dass ich beim Kämpfen ganz vorne stehen soll. Wobei, wenn ich mir’s recht überlege, die Zwerge stehen auch da, und wenn ich bei denen vorne bin, kann ich mich gleich um sie kümmern, wenn sie verwundet werden. Vielleicht ist das ja doch gar keine so schlechte Idee. Ich könnte den Ginnungagap ja mal fragen, ob ich an ihm üben darf, wie man Verbände anlegt. Oder ist das zu direkt?
Heute morgen haben wir dann ein Schiff entdeckt, unser Kapitän hat ein paar Worte mit dem anderen Kapitän gewechselt und ihn an Bord eingeladen, und wir haben uns versteckt. Als die andren dann herüberkamen haben wir sie überfallen, den Kapitän und seinen Gehilfen umgebracht, die Matrosen gefangengenommen, ihr Schiff geplündert, und jetzt wird das Schiff verkauft und die Matrosen werden als Gefangene an die Stadtwache übergeben, die geben uns dafür eine Belohnung. Vermutlich verkaufen die sie als Sklaven weiter und geben uns einen Teil des Gewinns. Das ist ja so aufregend! Pirat zu sein im offiziellen Auftrag von Pentar!
Das beste daran, die anderen haben lang und breit über die Ringe diskutiert, die dem Kapitän gehört haben, dabei sind die völlig unbrauchbar. Viel zu unauffällig, die sieht das Publikum schon in der dritten Reihe nicht mehr. Und während alle palavert haben, hat keiner gemerkt, wie ich mir das Wunderkraut unter den Nagel gerissen habe, das da in Kisten rumlag. Da werde ich jetzt für viele Pfeifchen Vorrat haben.
Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Schiff, das wir überfallen. Aber jetzt gehts erstmal in den nächsten Hafen. Da sind wir aber sicher, da laufen wohl jede Menge Piraten rum. Also macht es auch nichts wenn ich jemandem erzähle, dass wir jetzt auch Piraten sind. Ich bin ja mal gespannt was das Piratenleben noch so alles bietet!